Der Boom der Fernsehköche

27 Jul 2010

Kennen Sie Henriette Davidis? Falls nicht sei Ihnen gesagt, dass die gute Dame eine der berühmtesten Verfasser(innen) von Kochbüchern darstellt. Und wo heute auf nahezu jedem Sender ein Koch über den Bildschirm spukt, hatte Frau Davidis den Nachteil zu früh geboren worden zu sein. Sie verfasste ihr Buch nämlich Mitte des 19. Jh. und ist 1876 gestorben. So war es ihr natürlich nicht möglich zu Fernsehruhm zu kommen. Reich wurde sie mit ihren Büchern auch nicht, obwohl viele Auflagen erschienen und das „Praktische Kochbuch” in überarbeiteter Form bis in die 1990er Jahre zu kaufen war.

Circa 100 Jahre nach Erscheinen des „Praktischen Kochbuchs” war es schließlich soweit: Der Fernsehkoch in Deutschland ward erfunden. 1953 startete die Show „Clemens Wilmenrod bittet zu Tisch”. Dabei stand mit Clemens Wilmenrod gar kein Koch, sondern ein Schauspieler vor der Kamera. Mit bürgerlichem Namen hieß er Carl Clemens Hahn und zusammen mit seiner Frau kam ihm die Idee, dass er vor Fernsehpublikum kleine Gerichte kochen konnte. Unter anderem gilt er als Erfinder des Toast Hawaii und gab auch seinen anderen Gerichten kreative Namen wie Arabisches Reiterfleisch oder Päpstliches Huhn. Infolge seiner 15-minütigen Sendung kamen Kochshows in Mode und Ende der 1950er Jahre starteten die nächsten Vertreter, auch in der DDR und zu einem großen Teil nun auch mit ausgebildeten Köchen.

Heutzutage haben wir einen wahren Wust an Kochsendungen im Programm, deren Format sich z. T. aber erheblich unterscheidet. Besonders beliebt sind Sendungen wie „Das perfekte Dinner” und das Spin-Off „Das perfekte Promi Dinner”. Hierbei kochen keine Profis, sondern Menschen ohne Kochausbildung und neben dem Essen liegt das Augenmerk auch um das ganze Drumherum des Dinners. In der „Kocharena” treten gleichfalls Hobbyköche an, allerdings gegen Profiköche und unter Zeitlimit. Es hat sich seit Clemens Wilmenrod schon einiges geändert in der Fernsehkochlandschaft.

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